Straße mit Laternen in Hoi An Vietnam

Vietnam Rundreise

In vier Wochen von Nord nach Süd

Lesezeit: 18 Minuten

Meine Vietnam-Route auf einen Blick

Reisedauer

4 Wochen

Reisezeit

Dezember / Januar

Reiseart

Individuell & Backpacking

Route

Hanoi → Phong Nha → Hoi An → Ho-Chi-Minh-Stadt → Sóc Trăng → Con Dao

Besonders geeignet für

Abenteuerlustige, Individualreisende, Strandliebhaber und Kulturinteressierte

Ein Land, das mich direkt verzauberte

Vier Wochen lang sind wir einmal quer durch Vietnam gereist, von Hanoi im Norden bis zu den Con-Dao-Inseln weit im Süden. Dazwischen lagen lange Zugfahrten, Höhlen und Reisfelder rund um Phong Nha, die bunten Laternen von Hoi An, das ziemlich chaotische Ho-Chi-Minh-Stadt und schließlich ein paar ruhige Tage am Meer auf Con Dao. Gerade diese Abwechslung ist mir von Vietnam besonders in Erinnerung geblieben. Kaum hatten wir uns an einen Ort gewöhnt, fühlte sich der nächste schon wieder völlig anders an. Wir waren individuell unterwegs, haben vieles spontan organisiert und dabei bewusst nicht versucht, möglichst viele der bekannten Sehenswürdigkeiten abzuhaken.

In diesem Reisebericht zeige ich dir unsere tatsächliche Route von Nord nach Süd, erzähle, was wir unterwegs erlebt haben und welche Orte mir besonders in Erinnerung geblieben sind. Dazu bekommst du praktische Tipps für deine eigene Vietnam-Rundreise und zusätzliche Empfehlungen für Orte, die wir selbst ausgelassen haben.

Beste Reisezeit
  • Die beste Reisezeit für eine Rundreise durch Vietnam liegt ungefähr zwischen März und Mai. In diesen Monaten sind die Wetterbedingungen laut der vietnamesischen Tourismusbehörde landesweit am günstigsten. Da sich Vietnam über mehr als 1.600 Kilometer von Nord nach Süd erstreckt, unterscheiden sich die Klimazonen allerdings deutlich und die ideale Reisezeit hängt auch von deiner Route ab. Im Norden rund um Hanoi sind vor allem Frühling und Herbst angenehm. Zentralvietnam mit Hoi An und Phong Nha ist im Frühjahr meist günstiger, während es insbesondere im Herbst deutlich regenreicher werden kann. Im Süden rund um Ho-Chi-Minh-Stadt und das Mekong-Delta fällt die trockenere Zeit überwiegend in die Monate Dezember bis April.
  • Meine Erfahrung: Wir waren im Dezember und Januar von Nord nach Süd unterwegs. Während es in Hanoi mit rund 22 °C angenehm mild war, wurde es Richtung Süden zunehmend wärmer und tropischer. Für unsere Rundreise hat diese Reisezeit insgesamt gut funktioniert.
Visabestimmungen
  • Für deutsche Staatsangehörige ist die Einreise nach Vietnam für bis zu 45 Tage visumfrei möglich. Der Reisepass muss bei Einreise noch mindestens sechs Monate gültig sein. Ein- und Ausreisetag zählen jeweils als vollständiger Aufenthaltstag. Außerdem solltest du einen Nachweis über deine Ausreise innerhalb der 45 Tage dabeihaben. Möchtest du länger bleiben, kannst du vor der Reise ein E-Visum für bis zu 90 Tage beantragen. Dieses ist auch für mehrmalige Einreisen erhältlich.
Unterkünfte
Sehenswürdigkeiten & Aktivitäten
  • Auf unserer vierwöchigen Reise von Nord nach Süd haben wir ganz unterschiedliche Seiten Vietnams kennengelernt. In Hanoi gehören für mich die Altstadt, der Hoan-Kiem-See und die Train Street zu den spannendsten Orten. Rund um Phong Nha standen dagegen Natur und Höhlen im Mittelpunkt. Besonders gut gefallen haben uns der Phong-Nha-Ke-Bang-Nationalpark und der Botanische Garten mit seinen Dschungelpfaden und dem Wasserfall.
  • In Hoi An solltest du dir vor allem Zeit für die historische Altstadt nehmen. Wir haben dort außerdem unsere eigene vietnamesische Laterne gebastelt und einen Ausflug zum An Bang Beach gemacht. Ho-Chi-Minh-Stadt haben wir nur kurz erlebt, bevor es für uns über Sóc Trăng weiter nach Con Dao ging. Dort waren wir mit dem Roller unterwegs, haben verschiedene Strände erkundet und uns auch mit der bewegenden Geschichte der ehemaligen Gefängnisinsel beschäftigt.
  • Wenn du mehr Zeit hast: Zu den bekanntesten Reisezielen Vietnams gehören außerdem die Halong-Bucht, die Bergregion um Sapa, Ninh Binh, Huế und Da Nang. Diese Orte waren nicht Teil unserer Rundreise, können sich aber je nach Route gut als zusätzliche Stationen eignen.
Gut zu wissen
  • Währung: Bezahlt wird mit dem Vietnamesischen Dong (VND). Bargeld ist gerade bei kleinen Restaurants, Garküchen, Märkten oder außerhalb der größeren Städte weiterhin praktisch. In touristischen Orten und größeren Hotels kannst du häufig auch mit Karte bezahlen.
  • Unterwegs im Land: Vietnam lässt sich sehr gut individuell bereisen. Für längere Strecken haben wir Züge, Busse und einen Inlandsflug genutzt. In den Städten sind außerdem Taxis und Fahrdienste praktisch. Einen Roller würde ich nur mieten, wenn du dich mit dem Verkehr sicher fühlst und die dafür notwendigen Führerschein- und Versicherungsbedingungen erfüllst.
  • Sprache: Die Amtssprache ist Vietnamesisch. In touristischen Gegenden kommst du häufig mit Englisch weiter, außerhalb davon kann eine Übersetzungs-App sehr hilfreich sein.
  • Kleidung & Tempel: Beim Besuch von Tempeln und Pagoden solltest du auf angemessene Kleidung achten und Schultern sowie Knie bedecken.
  • Essen: Vietnamesisches Streetfood gehört für mich definitiv zu einer Vietnamreise dazu. Gegessen wird häufig mit Stäbchen. Diese solltest du nicht senkrecht in eine Schale Reis stecken, da dies mit Räucherstäbchen und Totenritualen verbunden wird.
  • Fotografieren: Gerade auf Märkten und abseits der touristischen Orte ergeben sich unglaublich viele Fotomotive. Wenn du Menschen aus der Nähe fotografieren möchtest, frage vorher um Erlaubnis.

Hanoi

Trubelig, facettenreich und für mich sofort besonders

Hanoi war unsere erste Station in Vietnam und die Stadt hat mich vom ersten Moment an gepackt. Es war trubelig, überall waren Menschen und Roller unterwegs und ständig gab es irgendwo etwas zu entdecken. Gleichzeitig wirkte Hanoi unglaublich facettenreich auf mich und obwohl hier so viel los war, habe ich mich direkt wohlgefühlt. Besonders die Altstadt lässt sich gut zu Fuß erkunden. Zwischen kleinen Geschäften, Garküchen, Straßenständen und dem scheinbar endlosen Strom aus Rollern gibt es ständig etwas zu sehen. Irgendwann landet man dabei fast automatisch am Hoan-Kiem-See, der mitten im Zentrum liegt und einen spannenden Kontrast zu den lebhaften Straßen ringsherum bildet.

Der Name Hoan Kiem bedeutet übersetzt „See des zurückgegebenen Schwertes“ und geht auf eine vietnamesische Legende zurück: Kaiser Lê Lợi soll mithilfe eines magischen Schwertes die chinesischen Besatzer vertrieben und es nach seinem Sieg an eine Schildkröte im See zurückgegeben haben. An diese Geschichte erinnert bis heute der Schildkrötenturm auf einer kleinen Insel im See. Auf einer weiteren kleinen Insel befindet sich der Ngoc-Son-Tempel, den du über die markante rote The-Huc-Brücke erreichst.

Besonders schön fand ich die Atmosphäre rund um den See. Am Wochenende wird es hier richtig lebendig: Straßenkünstler, tanzende Leute, spielende Kinder und jede Menge Menschen, die einfach gemeinsam Zeit verbringen. Wir wurden auch von jungen Vietnamesen angesprochen, die ihr Englisch mit uns verbessern wollten. So kommt man ganz unkompliziert ins Gespräch und bekommt nebenbei noch einmal einen ganz anderen Eindruck vom Leben in Hanoi. Abends, wenn der Schildkrötenturm beleuchtet ist und sich die Lichter im Wasser spiegeln, lohnt es sich, noch einmal am See vorbeizuschauen.

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Landkarte Vietnam mit Markierungen

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Auch kulinarisch hat Hanoi bei mir direkt Eindruck hinterlassen. Wenn du durch die Stadt läufst, kommst du eigentlich ständig an kleinen Garküchen und Straßenständen vorbei. Eines der Gerichte, das du unbedingt probieren solltest, ist Bun Cha. Dabei werden gegrilltes Schweinefleisch und Reisnudeln mit Kräutern, Salat und einer würzigen Sauce serviert. Für mich gehört es definitiv zu den Gerichten, die man in Hanoi einmal probiert haben sollte.

Natürlich wollten wir uns auch die berühmte Train Street anschauen. Die Bahngleise führen hier mitten durch ein dicht bebautes Wohnviertel und teilweise nur wenige Meter an den Häusern vorbei. Wenn ein Zug durchfährt, wird schnell deutlich, wie eng es tatsächlich ist. Die Train Street gehört inzwischen zu den bekanntesten Fotomotiven Hanois. Gleichzeitig solltest du wissen, dass der Zugang aus Sicherheitsgründen immer wieder eingeschränkt oder kontrolliert wird. Verlass dich deshalb nicht darauf, dass du jederzeit frei auf die Gleise kommst und halte dich unbedingt an die Absperrungen und Anweisungen vor Ort.

Vietnams Geschichte hautnah

Ho-Chi-Minh-Mausoleum, Militärmuseum & Zitadelle Thang Long

Wer sich etwas näher mit Vietnams Geschichte beschäftigen möchte, findet in Hanoi einige spannende Orte. Wir wollten uns unter anderem das Ho-Chi-Minh-Mausoleum am Ba-Dinh-Platz anschauen. Genau hier verlas Ho Chi Minh am 2. September 1945 die Unabhängigkeitserklärung Vietnams. Leider standen wir ausgerechnet an einem Montag davor und hatten nicht bedacht, dass das Mausoleum geschlossen war. So konnten wir es nur von außen sehen, aber allein der weitläufige Platz und das monumentale Gebäude waren schon ziemlich beeindruckend.

Besucht haben wir dagegen das damalige Militärhistorische Museum im Zentrum von Hanoi. Panzer, Flugzeuge, Waffen und zahlreiche weitere Ausstellungsstücke zeigen verschiedene Kapitel der vietnamesischen Militärgeschichte. Gerade die Auseinandersetzung mit den Kriegen des 20. Jahrhunderts fand ich ziemlich bewegend und teilweise auch bedrückend.

Wichtig, wenn du heute nach Hanoi reist: Das Militärhistorische Museum ist inzwischen umgezogen. Der alte Standort im Zentrum, den wir damals besucht haben, ist nicht mehr der aktuelle Museumsstandort. Plane deinen Besuch deshalb nicht anhand unserer damaligen Route, sondern informiere dich vorher über den heutigen Standort und die aktuellen Öffnungszeiten.

Ganz in der Nähe unseres damaligen Museumsbesuchs liegt die Kaiserliche Zitadelle Thang Long. Die UNESCO-Welterbestätte erzählt noch einmal eine ganz andere Seite der vietnamesischen Geschichte. Über viele Jahrhunderte war das Gelände ein politisches Machtzentrum verschiedener Dynastien. Wenn du dich für Geschichte interessierst, lässt sich die Zitadelle gut mit den historischen Orten rund um den Ba-Dinh-Platz verbinden.

Per Zug in den Süden

Von Hanoi nach Phong Nha

Nach ein paar Tagen in Hanoi ging unsere Reise weiter Richtung Zentralvietnam. Die berühmte Halong-Bucht haben wir bewusst ausgelassen, weil sie uns zu diesem Zeitpunkt zu touristisch und überlaufen war. Stattdessen entschieden wir uns für Phong Nha und damit für eine Region, auf die ich vorher ehrlich gesagt deutlich weniger aufmerksam geworden war. Wenn du zum ersten Mal in Vietnam bist und die Halong-Bucht sehen möchtest, kann sie natürlich trotzdem eine zusätzliche Station deiner Route sein. Die Landschaft mit ihren zahlreichen Kalksteinfelsen gehört zu den bekanntesten Bildern Vietnams. Für uns führte der Weg diesmal aber direkt weiter in den Süden.

Von Hanoi nahmen wir den Zug nach Dong Hoi, dem nächstgelegenen Bahnhof für unsere Weiterreise nach Phong Nha. Rund zehn Stunden waren wir unterwegs und entschieden uns für ein Schlafabteil mit Betten, Klimaanlage und USB-Anschlüssen. Gerade bei einer längeren Vietnam-Rundreise fand ich den Zug richtig angenehm: Man spart sich einen weiteren Flug, kann unterwegs aus dem Fenster schauen und bekommt noch einmal einen ganz anderen Eindruck vom Land. In Dong Hoi angekommen, ging es für uns mit dem Taxi weiter nach Phong Nha. Nach dem trubeligen Hanoi wartete dort ein ziemlicher Kontrast auf uns: viel Grün, Karstberge, Höhlen und deutlich mehr Ruhe.

Phong Nha

Zwischen Höhlen, Dschungel und Karstbergen

Phong Nha war nach dem trubeligen Hanoi ein ziemlicher Kontrast. Plötzlich waren da Reisfelder, dicht bewachsene Karstberge und jede Menge Grün. Der kleine Ort ist das Tor zum Phong-Nha-Kẻ-Bàng-Nationalpark und vor allem für seine gewaltigen Höhlensysteme bekannt. Zu den bekanntesten gehört Son Doong, die als größte natürliche Höhle der Welt gilt. Eine normale Tagestour dorthin ist allerdings nicht möglich. Der Besuch ist nur im Rahmen einer mehrtägigen, geführten Expedition möglich. Wenn du einfach einen Eindruck von der beeindruckenden Höhlenwelt bekommen möchtest, gibt es rund um Phong Nha deutlich leichter zugängliche Alternativen.

Wir haben uns für die Paradise Cave entschieden. Schon beim Betreten wird einem bewusst, welche Dimensionen die Höhlen hier haben. Im Inneren führen Holzstege vorbei an riesigen Tropfsteinformationen und immer weiter hinein in die Höhle. Gerade die Größe und die teilweise bizarren Formationen fand ich ziemlich beeindruckend. Der Nationalpark ist UNESCO-Weltnaturerbe und besticht durch seine wilde Natur: tropischer Dschungel, Wasserfälle, Flüsse und steile Karstfelsen.

Ein weiteres Highlight war für uns der Botanische Garten im Phong-Nha-Kẻ-Bàng-Nationalpark. Mit einem klassischen botanischen Garten hat er allerdings wenig zu tun. Statt angelegter Blumenbeete erwartet dich hier ein großes Dschungelgebiet mit Wanderwegen, dichter Vegetation und Wasserfällen. Es ist ein 40 Hektar großes Dschungelgebiet mit über 500 Pflanzenarten, darunter viele seltene und geschützte Exemplare.

Wir sind auf eigene Faust durch den Garten gelaufen und kamen dabei auch am Gio-Wasserfall vorbei. Genau diese Mischung aus Wandern, Dschungel und Wasser hat mir richtig gut gefallen. Wenn du gerne draußen unterwegs bist, würde ich für Phong Nha deshalb nicht nur die Höhlen einplanen, sondern dir auch etwas Zeit für die Landschaft rundherum nehmen.

Hoi An

Laternen, Handwerk und ein Abstecher ans Meer

Von Phong Nha führte unsere Reise weiter nach Hoi An. Da die Stadt keinen eigenen Bahnhof hat, fuhren wir mit dem Zug zunächst nach Da Nang und von dort mit dem Taxi weiter. Allein die Zugfahrt Richtung Süden war wieder ein Erlebnis für sich: Reisfelder, Berge und immer wieder Ausblicke auf die Küste begleiteten uns auf dem Weg.

Hoi An hat einen ganz anderen Charakter als Hanoi. Die historische Altstadt ist deutlich überschaubarer und vor allem für ihre alten Häuser, Tempel und die unzähligen bunten Laternen bekannt. Besonders am Abend verändert sich die Stimmung, wenn die Laternen in den Straßen leuchten und sich das Leben zunehmend nach draußen verlagert. Die Altstadt von Hoi An gehört seit 1999 zum UNESCO-Welterbe.

Eines meiner schönsten Erlebnisse dort war das Basteln einer eigenen vietnamesischen Laterne. Bei der „Lantern Lady“ konnten wir Schritt für Schritt unsere eigene Laterne gestalten. Gerade weil Hoi An so eng mit diesem traditionellen Handwerk verbunden ist, fand ich das als Erinnerung viel schöner als irgendein gekauftes Souvenir.

Hoi An ist außerdem für seine zahlreichen Schneidereien bekannt. Wenn du dir Kleidung maßschneidern lassen möchtest, solltest du dafür etwas Zeit einplanen und Preise sowie Qualität vergleichen.

Wir selbst haben unseren Aufenthalt aber nicht nur in der Altstadt verbracht. Mit dem Fahrrad ging es für uns auch zum An Bang Beach, nur wenige Kilometer außerhalb von Hoi An. Nach den Gassen und dem Trubel der Altstadt war der Strand eine schöne Abwechslung und eine gute Möglichkeit, einfach mal ein paar Stunden am Meer zu verbringen.

Ho Chi Minh Stadt (Saigon)

Eine Nacht zwischen Großstadttrubel und Backpacker-Viertel

Von Hoi An ging es für uns zunächst zurück nach Da Nang und von dort mit dem Flugzeug weiter nach Ho-Chi-Minh-Stadt, die vielen noch unter ihrem früheren Namen Saigon bekannt ist. Da die Strecke zwischen Zentral- und Südvietnam ziemlich lang ist, haben wir uns hier bewusst für einen Inlandsflug entschieden. In Ho-Chi-Minh-Stadt verbrachten wir allerdings nur eine einzige Nacht. Viel Zeit, die Stadt wirklich kennenzulernen, hatten wir also nicht. Trotzdem war der Kontrast zu Hoi An und Phong Nha kaum zu übersehen: größer, lauter, moderner und gefühlt noch einmal eine ganze Ecke hektischer.

Unser Weg führte uns unter anderem ins Backpacker-Viertel rund um die Bui Vien Street. Bars, Clubs, Streetfood und Menschen überall – ruhig geht es hier definitiv nicht zu. Wenn du Nachtleben suchst, bist du hier richtig. Wer mit Party und sehr belebten Straßen wenig anfangen kann, findet in Ho-Chi-Minh-Stadt aber natürlich noch ganz andere Ecken.

Wenn du mehr Zeit hast: Im Zentrum liegen unter anderem das historische Zentralpostamt, das Rathaus und die Kathedrale Notre-Dame de Saigon. Wer sich intensiver mit dem Vietnamkrieg beschäftigen möchte, kann außerdem das War Remnants Museum besuchen. Für all das war unser Aufenthalt schlicht zu kurz. Für uns war Ho-Chi-Minh-Stadt deshalb vor allem eine kurze Zwischenstation auf dem Weg weiter in den Süden. Schon am nächsten Tag ließen wir die Großstadt wieder hinter uns und machten uns auf den Weg Richtung Sóc Trăng und Con Dao.

Sóc Trăng

Ein ungeplanter Zwischenstopp im Mekong-Delta

Von Ho-Chi-Minh-Stadt ging es für uns mit dem Bus rund sechs Stunden weiter nach Sóc Trăng im Mekong-Delta. Eigentlich sollte die Stadt nur der Ausgangspunkt für unsere Weiterreise nach Con Dao sein. Da wir aber erst später am Tag ankamen und keine passende Fähre mehr erwischten, mussten wir spontan eine Nacht bleiben. Selbst unsere Unterkunft suchten wir uns erst vor Ort. Im Nachhinein fand ich gerade diesen ungeplanten Zwischenstopp ziemlich spannend. Andere Touristen haben wir kaum gesehen und stattdessen immer wieder neugierige Blicke geerntet. Sóc Trăng fühlte sich dadurch ganz anders an als die Orte, die wir zuvor auf unserer Vietnamreise besucht hatten. Am nächsten Morgen ging es mit dem Taxi weiter zum Fährhafen. Von dort wollten wir endlich übers Meer nach Con Dao.

Con Dao

Zwischen einsamen Stränden und bewegender Geschichte

Am nächsten Morgen ging es von Sóc Trăng weiter zum Fährhafen und von dort mit der Fähre nach Con Dao. Die etwa zweistündige Überfahrt war allerdings alles andere als entspannt. Das Meer war ziemlich rau und einigen Passagieren wurde ordentlich schlecht. Auf dem Oberdeck war die Fahrt zwar etwas angenehmer, dafür gab es dort kaum Schutz vor der Sonne. Sonnencreme und eine Kopfbedeckung würde ich deshalb unbedingt dabeihaben.

Auf Con Son, der Hauptinsel des Archipels, verbrachten wir insgesamt sieben Tage. Um die Insel auf eigene Faust zu erkunden, mieteten wir uns einen Roller. Damit waren wir flexibel und konnten immer wieder dort anhalten, wo es uns gerade gefiel. Allein die Fahrten entlang der Küste mit dem Meer auf der einen und den grünen Bergen auf der anderen Seite sind mir bis heute in Erinnerung geblieben.

Mein Lieblingsort war der Bai Nhat Beach. Weißer Sand, klares Wasser und bei unserem Besuch kaum andere Menschen – genau so hatte ich mir die letzten Tage unserer Vietnamreise vorgestellt. Auch andere Strände wie Dam Trau Beach haben wir uns angeschaut. Besonders ungewöhnlich ist dort die Lage direkt an der Einflugschneise des Flughafens: Die Flugzeuge kommen beim Landeanflug ziemlich tief über den Strand.

So schön die Strände waren, eine weniger schöne Seite ist mir ebenfalls in Erinnerung geblieben. An einigen Stellen lag viel angeschwemmter Plastikmüll. Irgendwann haben wir uns selbst Müllsäcke gekauft und angefangen, einen Teil davon einzusammeln. Natürlich löst das das eigentliche Problem nicht, aber einfach daran vorbeizulaufen fühlte sich für uns auch nicht richtig an. Gerade diese Mischung ist mir von Con Dao geblieben: wunderschöne Landschaften und ruhige Strände, aber eben auch Dinge, bei denen man genauer hinschaut.

Die dunkle Vergangenheit von Con Dao

So entspannt Con Dao heute auf den ersten Blick wirkt, die Insel hat eine ziemlich schwere Vergangenheit. Mehr als 100 Jahre lang wurde sie als Gefängnisinsel genutzt. Ab 1862 ließen die französischen Kolonialherren hier Gefangene inhaftieren, später wurden die Gefängnisse von der südvietnamesischen Regierung weitergeführt. Erst 1975 endete die Zeit Con Daos als Gefängnisstandort.

Wir haben uns einige der ehemaligen Gefängnisanlagen angeschaut und gerade dieser Teil unseres Aufenthalts ist mir ziemlich im Gedächtnis geblieben. Besonders beklemmend fand ich die sogenannten Tiger Cages. Dabei handelt es sich um kleine Isolationszellen, in denen Gefangene unter menschenunwürdigen Bedingungen festgehalten und misshandelt wurden. Teilweise konnten die Wärter die Gefangenen von oben durch Gitter beobachten.

Wenn man vorher noch mit dem Roller an Stränden und grünen Bergen entlanggefahren ist, wirkt dieser Teil der Inselgeschichte umso heftiger. Für mich gehört er trotzdem zu einem Besuch auf Con Dao dazu, denn ohne ihn lernt man nur eine Seite der Insel kennen. Heute erinnern die ehemaligen Gefängnisse, das Con-Dao-Museum und weitere historische Orte auf der Insel an diese Zeit. Wenn du dich näher mit der Geschichte beschäftigen möchtest, würde ich dafür bewusst etwas Zeit einplanen.

Nach sieben Tagen auf Con Dao endete unsere Reise schließlich. Wir flogen mit einem kleinen Propellerflugzeug zurück nach Ho-Chi-Minh-Stadt und traten von dort unsere Heimreise an. Damit lagen vier ziemlich abwechslungsreiche Wochen zwischen Hanoi im Norden und Con Dao im Süden hinter uns.

Fazit

nach vier Wochen Vietnam

Vietnam Fotostrecke

FAQ

Häufige Fragen zu deiner Vietnam-Reise

Das hängt stark davon ab, wie du reist. Vietnam lässt sich als Backpacker vergleichsweise günstig bereisen, während schönere Hotels, Inlandsflüge, private Transfers und organisierte Touren das Budget deutlich erhöhen. Wir waren individuell unterwegs, haben in kleineren Hotels, Hostels und Homestays übernachtet und Busse, Züge sowie einen Inlandsflug genutzt.

Wir sind insgesamt mit einem Budget von 1800 € pro Person (inkl. Flüge, Übernachtungen und Taschengeld) gut zurecht gekommen. Statt mit einer festen Summe würde ich bei der Planung Unterkunft, Verpflegung, Transport und Aktivitäten getrennt kalkulieren und zusätzlich einen Puffer einplanen. Preise können sich je nach Saison, Route und Anspruch deutlich unterscheiden.

Unsere vierwöchige Route führte uns von Hanoi über Phong Nha, Hoi An, Ho-Chi-Minh-Stadt und Sóc Trăng bis nach Con Dao. Diese Kombination hat uns gut gefallen, weil wir Städte, Natur, Geschichte und am Ende einige Tage am Meer miteinander verbinden konnten.

Wenn du andere Schwerpunkte setzen möchtest, kannst du beispielsweise Ninh Binh, die Halong-Bucht, Sapa oder Huế ergänzen und dafür andere Stationen weglassen. Ich würde bei vier Wochen nicht versuchen, möglichst jeden bekannten Ort unterzubringen.

Wir haben verschiedene Verkehrsmittel miteinander kombiniert. Für längere Strecken waren Züge und Busse praktisch, von Da Nang nach Ho-Chi-Minh-Stadt haben wir einen Inlandsflug genommen. Gerade die längeren Zugfahrten gehörten für mich aber auch zum Reiseerlebnis dazu.

Welche Variante sinnvoll ist, hängt von deiner Route und deiner verfügbaren Zeit ab. Wenn du vier Wochen hast, musst du meiner Erfahrung nach nicht jede längere Strecke fliegen.

Aus meiner Erfahrung: ja. Wir haben unsere Reise individuell organisiert und waren mit Zügen, Bussen, Taxis, Fähre und Flugzeug unterwegs. Unterkünfte und Weiterreisen ließen sich gut miteinander kombinieren und auch spontane Änderungen waren möglich.

Gerade wenn du zum ersten Mal individuell durch Südostasien reist, finde ich Vietnam deshalb gut machbar. Etwas Flexibilität solltest du trotzdem mitbringen, denn nicht immer läuft unterwegs alles exakt nach Plan.

Für uns definitiv. Con Dao war eine der außergewöhnlichsten Stationen unserer Vietnamreise. Die Insel verbindet Strände und viel Natur mit einer sehr bewegenden Geschichte als ehemaliger Gefängnisstandort.

Wir waren sieben Tage auf Con Son und fanden die Zeit genau richtig, um die Insel ohne Stress zu erkunden. Wenn Con Dao nur ein kurzer Abschluss deiner Rundreise sein soll, würde ich trotzdem mehrere Tage einplanen. Allein wegen der längeren Anreise würde ich persönlich nicht nur für ein oder zwei Nächte hinfahren.

Bargeld würde ich in Vietnam auf jeden Fall dabeihaben. In größeren Städten, Hotels und vielen touristischen Betrieben kannst du inzwischen häufig mit Karte bezahlen und Geldautomaten sind weit verbreitet. Bei kleinen Restaurants, Streetfood-Ständen, Märkten oder außerhalb der größeren Städte ist Bargeld aber weiterhin wichtig.

Bezahlt wird mit dem Vietnamesischen Dong (VND). Gerade wenn du individuell durchs Land reist und auch kleinere Orte besuchst, würde ich mich deshalb nicht ausschließlich auf die Kreditkarte verlassen.

Vietnam verwendet eine Mischung verschiedener Steckdosentypen. Viele Steckdosen sind mit den in Deutschland üblichen zweipoligen Eurosteckern kompatibel, darauf würde ich mich aber nicht überall verlassen. Ein kleiner Universal-Reiseadapter im Gepäck ist deshalb praktisch.

Die Netzspannung beträgt 220 Volt bei 50 Hertz, sodass die meisten in Deutschland verwendeten Ladegeräte grundsätzlich mit der vietnamesischen Netzspannung kompatibel sind. Prüfe zur Sicherheit trotzdem die Angaben auf deinem jeweiligen Gerät.

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